Aktualisiert am 18.07.2026 von Clara Müller
Als ich zum ersten Mal in Zermatt ankam und aus dem kleinen roten Zug der Matterhorn Gotthard Bahn stieg, hatte ich diesen albernen Reflex, mit den Augen nach dem Parkplatz zu suchen, auf dem ich am Vortag in Täsch mein Auto abgestellt hatte. Das war gar nicht nötig: In Zermatt gibt es ganz einfach keine Privatwagen. Das ist einer der allerersten Schocks in diesem Dorf und zweifellos derjenige, der den Ton für den gesamten Aufenthalt angibt. Man taucht dort in einen anderen Rhythmus ein, einen langsameren, fast schwebenden, vor dem Hintergrund dieser schwarzen Steinsilhouette, die alles überragt: das Matterhorn.
Ein Dorf ohne Autos, im wahrsten Sinne des Wortes
Zermatt ist seit Jahrzehnten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gesperrt. Man bewegt sich dort mit Elektrotaxis, im Sommer mit Pferdekutschen oder ganz einfach zu Fuß fort. Konkret bedeutet das: Wenn Sie mit dem Auto anreisen, lassen Sie es auf dem Parkplatz in Täsch (dem letzten Dorf, das mit einem normalen Auto erreichbar ist) stehen und setzen die Fahrt mit dem Zug fort, der etwa alle zwanzig Minuten verkehrt. Dieses logistische Detail verändert die Atmosphäre des Aufenthalts völlig: keine Motoren, keine Hupen, nur das Geräusch von Skiern, die über den Bürgersteig geschleift werden, oder von Holzschuhen auf dem Kopfsteinpflaster im Sommer.
Die Anreise mit dem Zug ist vom Rest der Schweiz aus eigentlich sehr einfach: Genf oder Zürich, Umsteigen in Visp, dann mit der Bergbahn bis nach Zermatt. Rechnen Sie mit etwa 3:30 Stunden ab Genf, etwas weniger ab Zürich. Man muss kein Auto mieten, um diesen Teil des Valais zu erkunden, was ihn zu einem besonders praktischen Reiseziel für einen Aufenthalt ohne logistischen Stress macht.
Das Matterhorn – allgegenwärtig und nie langweilig
Man hat es schon auf Tausenden von Fotos gesehen, bevor man ankommt, man glaubt, man hätte es schon satt, und doch. Das Matterhorn (4.478 m) überragt buchstäblich jede Straße des Dorfes, jede Caféterrasse, jedes nach Süden ausgerichtete Hotelzimmer. Ich erinnere mich an ein Abendessen an einem Septemberabend, als alle am Tisch gleichzeitig verstummten, um zu beobachten, wie der Berg innerhalb von etwa zehn Minuten seine Farbe wechselte – von Grau über Orange bis hin zu Rosa. Es ist einer der wenigen Alpengipfel, der auch nach mehreren Tagen vor Ort noch spektakulär wirkt – seine asymmetrische, fast unwirkliche Pyramidenform wird einem nie wirklich alltäglich.
Für Abenteuerlustige bietet das Matterhorn Glacier Paradise die Möglichkeit, bis auf 3.883 Meter hinaufzufahren – zur höchstgelegenen Seilbahnstation Europas –, mit einem Ausblick, der den Mont Blanc, den Monte Rosa und einen Großteil der italienischen und Schweizer Alpen umfasst. Bei klarem Wetter ist dies eines der umfassendsten Panoramen, die ich in Valais je gesehen habe, alle Skigebiete zusammengenommen.
Skifahren und Gletscher ganzjährig geöffnet
Zermatt gehört zu den wenigen alpinen Skigebieten, in denen man mitten im Sommer Ski fahren kann, dank des Theodul-Gletschers, der auch im Juli und August für Sommerskifahrer und Trainingsteams befahrbar bleibt. Im Winter ist das Skigebiet riesig und grenzüberschreitend: Verbunden mit Cervinia auf der italienischen Seite umfasst es insgesamt mehr als 360 km Pisten auf beiden Seiten. Fortgeschrittene und erfahrene Skifahrer kommen hier voll auf ihre Kosten, denn die Pisten sind breit genug, um das Gefühl einer „Skiautobahn“ zu vermeiden, das man anderswo manchmal hat.
Wenn Sie die Walliser Skigebiete vergleichen möchten, bevor Sie sich für einen Ort entscheiden, habe ich die Merkmale jedes einzelnen in meinem Ski-Dossier unter Valais detailliert beschrieben: Schneesicherheit, Höhe, Pistenprofil – alles ist dabei. Zermatt zeichnet sich durch seine insgesamt sehr hohe Lage aus (das Skigebiet erreicht eine Höhe von über 3.800 m), was auch in milderen Wintern zuverlässige Schneeverhältnisse garantiert – ein echtes Plus angesichts des aktuellen Klimas.
Der Sommer in Zermatt: Wandern und Bergsteigen
Zermatt wird oft mit Skifahren in Verbindung gebracht, doch die Sommersaison ist für Wanderfreunde ebenso reichhaltig, wenn nicht sogar noch reichhaltiger. Das Netz der markierten Wanderwege umfasst mehr als 400 km und bietet Routen für alle Schwierigkeitsgrade: von der Familienwanderung am Ufer des Riffelsees, der bei ruhigem Wetter ein perfektes Spiegelbild des Matterhorns bietet, bis hin zu anspruchsvollen Bergtouren zu den Hütten des Schweizer Alpen-Clubs in den Höhenlagen. Besonders empfehle ich den 5-Seen-Weg, eine rund 15 Kilometer lange Rundwanderung, die an fünf Bergseen vorbeiführt und bei jeder Kurve wechselnde Ausblicke auf das Matterhorn bietet.
Für diejenigen, die technisch anspruchsvollere Wanderungen oder Höhenwanderungen bevorzugen, stelle ich in meiner Rubrik „Wandern“ mehrere Walliser Routen vor, einschließlich der Schwierigkeitsgrade und der besten Jahreszeit für jede Strecke.
Dorfatmosphäre und lokales Leben
Zermatt mag zwar ein weltberühmter, internationaler Ferienort sein, der von einer eher gehobenen Kundschaft frequentiert wird, doch hat er sich seinen authentischen dörflichen Charakter bewahrt. Die Bahnhofstraße, die Hauptfußgängerzone, vereint Luxusboutiquen und alte, von der Sonne geschwärzte Lärchenchalets, von denen einige mehrere Jahrhunderte alt sind und auf ihren traditionellen flachen Steinen stehen, die verhindern sollen, dass Mäuse bis in die Getreidespeicher klettern. Das Viertel Hinterdorf, abseits des Trubels, vermittelt einen guten Eindruck davon, wie das Dorf vor dem touristischen Aufschwung im 19. Jahrhundert aussah.
Was das Budget angeht, muss man ehrlich sein: Zermatt ist einer der teuersten Ferienorte der Schweiz – und das in einem Land, das ohnehin schon nicht gerade günstig ist. Unterkünfte, Gastronomie und Skipässe sind hier deutlich teurer als beispielsweise in Crans-Montana. Wenn das Budget ein wichtiges Kriterium ist, bietet mein Reiseführer zu Crans-Montana eine erschwinglichere Alternative, die dennoch in Valais liegt.
Vergleich mit den anderen großen Walliser Skigebieten
Zermatt, Verbier und Crans-Montana werden oft gemeinsam als die drei Säulen des Walliser Alpentourismus genannt, haben jedoch in puncto Atmosphäre nicht viel gemeinsam. Während Zermatt auf Prestige, kulturelles Erbe und den mythischen Berg setzt, pflegt Verbier eine jugendlichere, festlichere Identität, die sich dem Freeride und dem Nachtleben widmet. Ich widme dieser anderen Facette des Walliser Skisports einen umfassenden Reiseführer, falls Sie bei der Wahl zwischen den beiden Reisezielen für einen Winterurlaub schwanken.
Für einen umfassenden Überblick über meine regionalen Reiseführer zum Kanton lade ich Sie ein, die Rubrik Valais in den „Carnets du Valais“ zu besuchen, in der alle meine Reportagen nach Reisezielen geordnet aufgelistet sind.
Gastronomie und Dorfleben
Die Gastronomie in Zermatt spiegelt die Ausrichtung des Ferienorts gut wider: Man findet dort sowohl hochgelegene Sternerestaurants, die nur mit dem Skilift erreichbar sind, als auch kleine, familiäre Gasthäuser, in denen Fondue oder Raclette mit lokalem Alpkäse serviert werden. Ich habe eine Vorliebe für die Hütten in mittlerer Höhenlage, zu denen man mit den Skiern oder nach einer Stunde Wanderung gelangt und von denen man, aufgewärmt durch eine Brennnesselsuppe oder einen Teller Rösti, mit dem Matterhorn als Kulisse von der Terrasse aus wieder aufbricht. Oft finde ich gerade in diesen einfachen Lokalen, mehr noch als in den großen Restaurants, den wahren Geschmack des Valais wieder.
Auch der Wochenmarkt und die kleinen Lebensmittelgeschäfte im Zentrum bieten Walliser Regionalprodukte an: Raclette-Käse, Trockenfleisch, Aprikosen aus dem Valais zur Saison und Weine aus den kantonalen Weinbergen, die ich anstelle der üblichen Souvenirs zum Mitnehmen empfehle.
Beste Reisezeit: Winter, Sommer oder Zwischensaison
Die Hochsaison im Winter erstreckt sich von Dezember bis April, mit einem Höhepunkt um Weihnachten, Neujahr und die Februarferien – eine Zeit, in der die Preise deutlich steigen und man besser mehrere Monate im Voraus buchen sollte. Der Sommer von Juni bis September bietet eine entspanntere Atmosphäre und günstigere Preise sowie uneingeschränkten Zugang zum Wanderwegenetz und zum Gletscher für Liebhaber des Sommerskifahrens. In der Zwischensaison (Mai, November) schließen viele Betriebe wegen Wartungsarbeiten: Diese Zeit sollten Sie meiden, wenn Sie ein umfassendes Angebot an Aktivitäten und Gastronomie suchen.
Persönlich ist Mitte September nach wie vor meine Lieblingszeit: Die Sommermassen sind abgereist, das Licht ist noch sanft, und der erste Schnee bedeckt manchmal schon die umliegenden Gipfel, ohne dass die Wanderwege gesperrt werden.
Praktische Tipps zur Planung Ihres Aufenthalts
Ein paar praktische Hinweise, die ich vor meinem ersten Aufenthalt gerne gewusst hätte:
- Buchen Sie den Zug Täsch-Zermatt in der Hochsaison im Voraus, da die Bahnsteige am Ende eines Skitages überfüllt sein können.
- Planen Sie ein großzügiges Budget ein: Es handelt sich um eines der teuersten Skigebiete der Alpen, was Sie bei Ihrer Budgetplanung entsprechend berücksichtigen sollten.
- Prüfen Sie die Schneelage an den Hängen: Da das Skigebiet sehr weitläufig ist, variiert die Schneequalität je nach Lage zwischen dem Schweizer und dem italienischen Teil erheblich.
- Nehmen Sie sich am Abend Zeit: Oft ist das Matterhorn bei Sonnenuntergang, wenn die Tagesbesucher abgereist sind, am beeindruckendsten.
Zermatt ist kein Reiseziel für kleine Budgets oder für diejenigen, die völlige Anonymität inmitten der Natur suchen. Es ist hingegen einer der wenigen Orte weltweit, an denen ein einziger Berg das gesamte Erlebnis eines Aufenthalts – ob im Sommer oder im Winter – wirklich prägt. Ein Ort, den man mindestens einmal erlebt haben muss, schon allein, um zu verstehen, warum so viele Fotografen und Bergsteiger seit über einem Jahrhundert von ihm besessen sind.
Ein Vorbild für nachhaltigen Tourismus auf Schweizer Ebene
Was mich bei jedem Aufenthalt beeindruckt hat, ist die Konsequenz des Modells, das hier seit Jahrzehnten umgesetzt wird: Verbot von Verbrennungsmotoren, elektrischer Nahverkehr, sehr strenge städtebauliche Vorgaben, um die Silhouette des Dorfes vor dem Matterhorn zu bewahren. Es ist kein Zufall, dass Zermatt regelmässig als Vorbild für eine langfristige Tourismusgestaltung im Berggebiet angeführt wird, die es schafft, attraktiv zu bleiben, ohne ihre natürliche Umgebung zu opfern. Wer sich für weitere Facetten dieses nachhaltigen Managements des Alpentourismus interessiert, für den bietet das benachbarte Tal Saas-Fee, das ebenfalls autofrei ist und über einen ganzjährigen Gletscher verfügt, einen interessanten Vergleichspunkt – und das nur etwa dreißig Autominuten entfernt.
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