Saas-Fee: Umfassender Reiseführer für das Reiseziel Valais

Als ich zum ersten Mal nach Saas-Fee fuhr, stellte ich mein Auto auf dem Parkplatz am Dorfeingang ab und dachte fünf Tage lang nicht mehr daran. Das ist das Erste, was einem hier auffällt: kein Verbrennungsmotor weit und breit, keine Hupe, nur das Rauschen des Wassers, das die Bäche hinunterfließt, und das Schaben der Schuhsohlen auf dem Asphalt. Saas-Fee im Valais ist eines der wenigen Bergdörfer Europas, das vollständig für den motorisierten Verkehr gesperrt ist. Man gelangt zu Fuß, mit der Elektro-Kutsche oder mit dem Taxi-Bus dorthin, und diese Einschränkung wird sehr schnell zum Vergnügen: Der Platz gehört wieder den Menschen, den Terrassen und den Kindern, die die Straße überqueren, ohne dass man auf sie aufpassen muss.

Ein Dorf, umgeben von 13 Gipfeln über 4.000 Metern

Was dem Ort seinen Beinamen „Perle der Alpen“ verleiht, ist nicht nur die Abwesenheit von Autos, sondern auch der Bergkranz, der ihn umgibt. Dreizehn Gipfel über 4.000 Meter umschließen das Tal, darunter das Allalinhorn, der Dom und das Täschhorn. Von der Terrasse eines Dorfcafés aus muss man buchstäblich den Kopf nach hinten neigen, um die Bergkämme zu erblicken. Ich habe so etwas noch nirgendwo anders in Valais gesehen – eine solche Dichte an Giganten so nah am Talgrund. Der Kontrast ist atemberaubend: ein überschaubares Dorf mit seinen von der Sonne geschwärzten Lärchenchalets, das am Fuße einer Wand aus Eis und Fels liegt.

Der Feegletscher, der Star der Region

Der Feegletscher (der „Feengletscher“) ist das Aushängeschild von Saas-Fee und von fast jedem Punkt des Dorfes aus sichtbar. Man kann ihn von weitem von einer Terrasse aus betrachten oder ihm ganz nah kommen, indem man die Seilbahnen nimmt, die zum Mittelallalin auf über 3.450 Meter Höhe hinaufführen. Dort oben befindet sich das berühmte Drehrestaurant, eines der höchstgelegenen Europas, das beim Mittagessen einen 360°-Panoramablick auf die umliegenden Gletscher bietet. Die in den Feegletscher gehauene Eishöhle ermöglicht es zudem, buchstäblich im Inneren des Gletschers zu wandern – ein ziemlich einzigartiges Erlebnis, das ich auch außerhalb der Skisaison empfehle.

Der Gletscher speist zum Teil das Skigebiet, wodurch Saas-Fee auf bestimmten Abschnitten Sommerskifahren anbieten kann – eine Seltenheit in Valais. Adrenalinjunkies gleiten mitten im Juli auf präpariertem Schnee, während nur wenige hundert Meter tiefer die Almen in voller Blüte stehen. Das ist eines der erstaunlichsten Merkmale dieses Reiseziels: Winter und Sommer überlagern sich hier fast das ganze Jahr über.

Der Winter in Saas-Fee: Skifahren, Freeride und Ruhe

Das Skigebiet von Saas-Fee erreicht eine Höhe von über 3.600 Metern und bietet rund 100 Kilometer Pisten, die sich zwischen dem Gletscher und den tiefer gelegenen, bewaldeten Hängen verteilen. Es überwiegen rote und blaue Pisten, was das Gebiet zu einem beliebten Ziel für Familien und fortgeschrittene Skifahrer macht, die dank der Höhenlage Schneesicherheit suchen. Auch Off-Piste- und Freeride-Fans kommen an den Gletscherhängen voll auf ihre Kosten, wobei lokale Guides begleitete Touren in gesicherten Bereichen organisieren.

Im Vergleich zu bekannteren Skigebieten in Valais wie Zermatt oder Verbier ist Saas-Fee eher ein Geheimtipp und weniger überlaufen, was sich an den Skiliften und in der allgemeinen Abendstimmung im Dorf bemerkbar macht. Man kommt hierher, um Ski zu fahren, aber auch wegen der Ruhe – ein echter Kontrast zu den Skigebieten, die am Wochenende auf Hochtouren laufen.

Im Sommer: Wandern, Mountainbiken und Bergsteigen

Sobald der Schnee geschmolzen ist, zeigt sich Saas-Fee von einer ganz anderen Seite. Das Dorf wird zum Ausgangspunkt für Wanderungen, mit einem Netz aus markierten Wegen, die sich zwischen Almen, Bergseen und Aussichtspunkten auf den Gletscher schlängeln. Auf dem familienfreundlichen Murmeltierpfad kann man diese alpinen Nagetiere frühmorgens in aller Ruhe beobachten. Für erfahrene Wanderer bieten die Verbindungen zu den Hochgebirgshütten (wie der Britannia-Hütte) ein anspruchsvolles Terrain mit atemberaubendem Blick auf die umliegenden Viertausender.

Das Bergsteigen ist im Saastal nach wie vor eine starke Tradition, die zwar weniger medienwirksam ist als die des Zermatt, aber ebenso anspruchsvoll: Die Besteigung des Allalinhorns, das als einer der am leichtesten zugänglichen Viertausender der Alpen gilt, zieht jeden Sommer zahlreiche Kletterer an, die hier ihre ersten Erfahrungen in großer Höhe sammeln. Auch das Mountainbiken hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, mit Downhill-Strecken, die dieselben Seilbahnen nutzen wie der Skisport im Winter.

Die Atmosphäre im Dorf

Was mir von meinen Aufenthalten in Saas-Fee vor allem in Erinnerung geblieben ist, ist die Atmosphäre. Das Dorf hat sich eine ausgeprägte Walliser Identität bewahrt: enge Gassen, Getreidespeicher auf Pfählen (die berühmten „Mazots“, die die Ernte vor Nagetieren schützen), eine kleine Kirche mit spitzem Glockenturm. Man trifft dort ebenso viele Schweizer Familien im Urlaub wie internationale Wanderer, die wegen der Gipfel gekommen sind. Abends füllen sich die Terrassen langsam, ohne die Hektik, die man in lauteren Ferienorten vorfindet. Es ist ein Ort, der dazu einlädt, einen Gang herunterzuschalten.

Die lokale Gastronomie ist einen Abstecher wert: Fondue und Raclette mit Walliser Käse, regionaler Trockenfleisch, Weine aus den Terrassenweinbergen, die weiter unten im Tal die Rhône säumen. Viele Lokale setzen auf regionale Spezialitäten mit Produkten, die direkt von den umliegenden Almen stammen.

Anfahrt und praktische Informationen

Saas-Fee ist vom Rhonetal aus über Visp zu erreichen, dann geht es auf der Straße das Saastal hinauf bis nach Saas-Grund, wo man zwingend parken muss, bevor man das Dorf mit dem Elektro-Shuttlebus, per Taxi oder zu Fuß erreicht. Rechnen Sie mit einer guten Stunde Fahrt von Sion aus, etwas mehr von Genf oder Zürich aus mit dem Zug und anschließend mit dem Postauto. Gerade diese Zugangsbeschränkung – keine Privatfahrzeuge im Dorf selbst – erklärt zum großen Teil die Ruhe und Authentizität, die man dort auch heute noch spürt.

Was die Unterkünfte angeht, bietet das Reiseziel ein vielfältiges Angebot mit mehreren Hotels und Chalets für jedes Budget und jede Zusammensetzung, von großen Familien bis hin zu Paaren, die Ruhe suchen. Ich empfehle Ihnen, in der Hochsaison (Februar–März zum Skifahren, Juli–August zum Wandern) frühzeitig zu buchen, da der Ort trotz seiner bescheidenen Größe sehr beliebt ist.

Um einen umfassenden Aufenthalt in Valais zu planen, der sowohl das Skifahren im Allgemeinen als auch die anderen großen Skigebiete der Region umfasst, schauen Sie sich unseren Skiführer für Valais an. Und für einen Überblick über das gesamte Reiseziel listet unser umfassender Reiseführer für Valais die Highlights Region für Region auf. Nach einem Tag auf den Pisten oder Wanderwegen gibt es nichts Schöneres, als sich in einem der Walliser Spas und Wellnesszentren zu erholen, und unser Wanderbereich unter Valais stellt weitere Routen vor, die man in der Region nicht verpassen sollte.

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